"Schreib doch mal was über den Trödelmarkt.

So´n paar Hintergrundinfos...."


Hintergrundinformationen? Zahlen, Daten, Fakten??? Wen interessiert denn das?

Diejenigen, die es nicht interessiert, können ja weiterklicken!

Noch da? Das beruhigt mich, dann schreibe ich mal was über den Trödelmarkt.

Also: es war einmal ein kleiner, großer Trödler namens Karl-Heinz Wulfes, besser bekannt als Kalle. Der hatte einen Trödelmarkt. Aber nicht so auf der grünen Wiese, sondern in einem großen Shopping-Center direkt am Kudamm. Anfang der 80er im Erdgeschoß, später dann in der 1. Etage mit der Museumskneipe, dem Teddymuseum und Trödel, Trödel, Trödel.

Man merkte bald, daß das Geld immer knapper wurde, denn immer mehr Privatleute wollten Ihren Hausrat und Trödel bei Kalle verkaufen. Im Sommer ´95 erzählte ihm ein Freund, daß in Dallgow ein riesiges Einkaufscenter namens HavelPark eröffnet hätte. Aber wo zum Teufel war Dallgow??? Verlängerung der Heerstraße, direkt an der B5, mit 5.000 Parkplätzen, einfach gigantisch. Da müßte man Trödelmarkt machen!


Und so fing alles an.....


Kalle Wulfes bat um einen Termin beim Centerleiter und erklärte ihm sein Konzept. Kalle wollte jeweils Sonntags einen Antik- und Trödelmarkt veranstalten, aber nicht nur für gewerbliche Händler und professionelle Anbieter, sondern vor allem auch für private Trödler, die ihren Keller aufräumten, oder die ungewollten Geburtstagsgeschenke möglichst schnell wieder loswerden wollten. Aufgrund der ungewöhnlichen Größe des Parkplatzes bot es sich an, allen Teilnehmern lange Wege zu ersparen und das Auto direkt hinter dem Stand stehen zu lassen. Toiletten sollten ausreichend und sauber zur Verfügung stehen und man sollte auch mal in Ruhe einen Kaffee trinken können.

Nachdem die Fragen zur Miete, den Parkplätzen für das Pflanzencenter und ähnliches geklärt waren, gab der Centerleiter schließlich sein OK und Kalle begann mit viel Enthusiasmus mit der Werbung. Schon im Vorfeld merkten wir, daß eine Veranstaltung, wie wir sie machten, Probleme aufwarf, an die wir wenig oder gar nicht gedacht hatten. Zum Beispiel war die Gemeinde Dallgow im Land Brandenbur, 4 km von Berlin entfernt, nicht berechtigt uns j e d e n Sonntag die Durchführung eines Antik- und Trödelmarktes zu gestatten, (brandenburgische Gesetzgebung!!) sondern nur ein- bzw. zweimal im Monat. Inzwischen haben wir eine Lösung gefunden, aber es hat lange gedauert. Desweiteren konnten wir zwar Trödler für unseren Markt begeistern, auf gastronomischem Gebiet erlebten wir jedoch eine Pleite. Keiner war bereit mit seinem Imbißwagen auf unseren Trödelmarkt zu kommen. Jetzt nach 5 Jahren, wollen viele bei uns mitmachen, aber damals.... Wir konnten und wollten unsere Trödler weder hungern noch verdursten lassen und so entschloß sich Kalle zumindest Kaffee, Kuchen und belegte Brötchen selbst zu verkaufen. Und an dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei unserer Freundin Elfi bedanken, die sich spontan bereit erklärte, den Kaffeestand zu übernehmen.

Sie wußte nicht worauf sie sich einließ :)

Unter primitivsten Bedingungen aus einem Zeltpavillon heraus, verkaufte sie Sonntag für Sonntag Kaffee und Kuchen. Im Winter mit eiskalten Füßen, im Sommer fast zerflossen - aber immer mit guter Laune! Inzwischen ist sie aus dem Kaffeezelt in einen Kaffeewagen umgezogen und vom Markt garnicht mehr wegzudenken und alle Trödler, die Elfi kennen, werden mir zustimmen.

Von einigen belächelt (Dallgow? Da kommt doch keiner hin!), von manchen mißtrauisch beobachtet (und was wird aus meinem Markt???), aber auch unterstützt von Freunden und Bekannten (Tolle Idee, das wird schon, wir helfen Dir!), veranstalteten wir im Oktober 1995 den 1. Antik- und Trödelmarkt im HavelPark Dallgow. Hatten wir anfangs auch noch nicht sooooo viele Trödler, sprach es sich doch schnell herum, daß man im HavelPark wirklich noch ein "Schnäppchen" machen kann.

Je mehr Trödler und Besucher kamen, desto mehr Müll fiel an. Gedankenlos, manche allerdings auch mit voller Absicht, warfen die Leute ihren Abfall in die Grünstreifen - wir durften dann zu Feieraben nach 12-14 Stunden Arbeit duftende Kinderwindeln, benutzte Taschentücher, Apfelsinenschalen etc. per Hand aufsammeln. Aber auch das bekamen wir mit dem Müllpfandgeld in den Griff.

Und so lernten wir von Markt zu Markt und machten unsere Erfahrungen.

Wie lang ist eigentlich ein Opel Vectra???? So begeistert wie die Trödler waren, daß sie ihr Fahrzeug direkt hinter dem Stand stehen lassen konnten, so empört waren manche auch, wenn sie die Kraftfahrzeuglänge bezahlen sollten. und nicht nur die Länge des Tisches! Sie konnten oder wollten nicht begreifen, daß die Fläche,die sie einnahmen, auch bezahlen mußten. Jetzt haben es die meißten kapiert, ich kann ich aber noch an heiße und nicht immer freundliche Disskusionen erinnern.

Ich denke, spätestens jetzt ist auch ein herzliches Dankeschön und großes Lob an unsere "Mädels" und "Jungs" fällig, die Sonntag für Sonntag dafür sorgen, daß morgens jeder einen Platz bekommt, die versuchen, auf Wünsche und Bedürfnisse der Trödler einzugehen und gleichzeitig aufpassen, daß nicht jeder macht was er will. Sie sind auch für das Kassieren zuständig - und das ist wirklich keine leichte Aufgabe.

"Ach komm schon... drück mal ein Auge zu! Der eine Meter...."

"Hast Du schon mal 2.000,- DM an wildfremde Leute verschenkt?" habe ich einen Trödler gefragt. Er sah mich verständnislos an und ich erklärte ihm, wenn ich bei 200 Händlern je einen Meter übersehen würde, dann macht das 2.000,- DM Einnahmeverlust. (ob er es begriffen hat weiß ich nicht, aber gefragt hat er mich nicht noch einmal)

"Ach ja.... das liebe Geld"

Manche Trödler sind der Meinung, Kalle würde das Geld mit der Schubkarre zur Bank schieben. Nur die wenigsten machen sich Gedanken über die Kosten. "Was??? Ihr zahlt Miete für den Platz??? Und den BusShuttle müßt ihr auch selber bezahlen???" Und nicht nur das. Auch die Toiletten, die Endreinigung und die Buden müssen bezahlt werden, Versicherung, Werbungs- und Lohnkosten sind nicht zu vergessen und auch die Gemeinde Dallgow und last but not least das Finanzamt wollen ihre Gebühren und Steuern.

Warum machen wir das alles? Manchmal wissen wir es selber nicht mehr. Aber wenn wir dann abends hören, wie zufrieden die Trödler und wie begeistert die Besucher sind, dann vergessen wir den ganzen Streß und den Trödler, der uns so "angeblökt" hat (der, der nie Umsatz macht, aber jedesmal wiederkommt), die verstopften Toiletten, oder der geplatzte Wasserschlauch, die wunden Füße, den Müll, die Kälte oder Hitze. Wir sind stolz und freuen uns über das Lob:

"Dies ist einer der schönsten Märkte weit und breit!"



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